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Nischen und Marken

Auf dem BuchSW von lovelybooks konnte ich endlich mal mit vielen “onlinern” anderer Verlage sprechen und habe viele Anregungen für meine Arbeit, aber auch für dieses Blog bekommen.

Einen Gedanken von Leander Wattig möchte ich gern weiterführen, den er hier nochmal extra herausgegriffen hat (die Folie stammt aus seinem Vortrag auf dem BuchSW):

Seine These:  “Die Zukunft liegt in der Nische – auch im Buchbereich”

Ich gebe Leander absolut recht, was die Verlagsbranche angeht (weniger jedoch, was den Handel angeht :) ).


Nische bedeutet ja immer auch Spezialisierung und Profilierung. Und genau damit tun sich viele Verlage sehr schwer.  Der Hauptgrund dürfte sein, dass Spezialisierung auch immer ein (scheinbar) höheres Risiko bedeutet – wenn die eigene Nische plötzlich nicht mehr (wirtschaftlich) interessant ist, steht man vor dem nichts.  (Andererseits dürften in Nischen auch Skaleneffekte verstärkt auftreten!)

Endkundenmarken sind online extrem wichtig

Verlage als Gatekeeper, Filter und “Hüter der Qualität” haben aber genau die Aufgabe, Content eine “Marke” aufzudrücken, die für eine bestimmte Qualität steht und einen Selektionsprozess, den dieser Content durchlaufen hat.

Vor allem im Internet, wo selbstpublizierte Werke neben Verlags-Büchern/Content stehen, wird es immer wichtiger, dass der Endkunde (!) anhand des Labels bzw. der Verlagsmarke erkennen kann, dass es sich um ein Qualitätsprodukt handelt.

Online entfällt der 2. Gatekeeper “Handel”:

Im stationären Handel sind die Bücher allein durch Vertriebs- und Marketingprozesse schon einer strengen Auswahl unterzogen, der Handel wirkt auch wie ein 2ter Gatekeeper – Online sieht das anders aus:

Jeder Depp kann xyz Verlag auf sein Cover schreiben, dass der Verlag auch für etwas stehen muss, wird hier sehr deutlich. Und jeder kann seine eBooks online – z.B. auch bei Amazon, via dtp – verkaufen. Insbesondere durch das eBook wird dieser Trend noch verstärkt.

Auch Autorenmarken werden wichtiger

Natürlich werden auch die Autorenmarken im Netz wichtiger.  Das funktioniert aber v.a. für Bestseller-Autoren bzw. Autoren, die schon Bücher veröffentlicht haben. Für all die Bücher, deren Autoren jedoch (noch) unbekannt sind, ist eine Verlagsmarke daher extrem wichtig.

Können Verlage Marken sein?

Auf dem BuchSW hatte ich aber auch die eine oder andere Diskussion über die Markenbildung von Verlagen. Gern getroffene Aussagen waren, dass

1. Verlage eh keine Marken sind

2. Verlage nicht die Budgets haben, sich als Marken zu positionieren

u.a. wurde deshalb auch Markenbildung via Social Web abgelehnt…

Zu 1. Es stimmt, dass die meisten Buchkäufer ihre Lektüre nicht nach dem Verlag aussuchen.

(Beileibe aber nicht alle. Es gibt durchaus Leute, die Bücher nur nach dem Verlag kaufen. Ich gehöre dazu ;) )

Die Frage ist, warum sie das nicht tun. Ein Grund ist mit Sicherheit die “Selektion”, die auch der stationäre Handel betreiben muss, denn auch dieser funktioniert als Gatekeeper (vgl. oben).

Meine Meinung ist aber auch, dass viele Verlage gar nicht versuchen, eine Marke zu bilden, sondern stattdessen auf die Autoren als ihre Marken vertrauen – dass diese aber schnell zu anderen Verlagen abwandern können, wird dabei außer Acht gelassen. Von den wenigsten Verlagen (er-)kenne ich z.B. Imagekampagnen für Endkunden. Bei einigen Verlagen (z.B. Diogenes, GU) und v.a.  kleinen Verlagen (Verbrecher Verlag, Blumenbar etc.) funktioniert es aber.

Zu 2. Natürlich werden die meisten Verlage nie einen Bekanntheitsgrad von über 90% erreichen, wie in D vielleicht einige Auto- oder Getränkemarken. Dazu fehlt natürlich das Budget. Das ist aber auch nicht die Notwendigkeit – nur in der Nische (und hier wären wir wieder beim Ausgangspunkt :) ) müssen die Verlage sich positionieren und ihre Marke pflegen.

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Normalerweise schau ich mir online sehr selten Videos an, v.a. wenn sie 05:02 Minuten dauern. Aber dieses hier von Zittrain ist es definitiv wert.

Die Aussage, dass das ipad eine Innovationsbremse ist, kann ich nur unterstreichen – was den Buchmarkt betrifft.

Der iBookStore ist – soweit bekannt – nur für Publisher zugelassen und somit der Persilschein für Verlage, für das große “Weiter so”.

Das Businessmodell Buch lässt sich nun jetzt scheinbar ganz einfach auf den eBook-Bereich übertragen:

Apple’s “closed world” mit DRM-Schutz und “harter Tür” für Content sichert den Verlagen einen Absatzkanal für eBooks, der scheinbar den alten Regeln des Offline-Business’ gehorcht.

Sogar Amazon hat Angst vor dem neuen Gegenspieler auf dem eBook-Markt und rudert im Pricing-Kampf mit Macmillan zurück. (Und das bevor ein einziges ipad verkauft wurde!)

Warum aber ist es überhaupt so schlecht, dass das alte Geschäftsmodell so weitergeführt wird oder werden kann?

Für die Leser bedeutet das ipad + der iBookStore:

1. ein weiterer Der wichtigste Shop, der eBooks mit striktem DRM verkauft und damit eine vollständige Abschottung der gekauften eBooks betreibt.

So werden Käufer von eBooks auch weiterhin nicht die Möglichkeit haben, eBooks auf Geräten ihrer Wahl zu lesen oder gar zu tauschen, auch wenn das das ePub-Format, in dem auch die Apple-eBooks sein werden, durchaus zulassen würde.

Der iBookStore zementiert also die leser-unfreundlichen Verhältnisse im eBook-Markt anno 2010.

2. Nutzer-unfreundliche Verhältnisse wird es auch bei den Preisen geben. Diese werden im iBookStore vom Verlag festgelegt. Zumindest zum Start wollen die Verlage ihre Preise ggü. dem 9,99 $-Kategorie-Modell von Amazon deutlich anheben, sich aller Voraussicht nach an den Preisen für das gedruckte Buch orientieren.

3.  Im iBookStore sind, wie beschrieben, nur Publisher zu finden. Das bedeutet erstmal also eine geringere Auswahl an Content und schmälert die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus dem Preisgefüge, dass sich die Verlage ausdenken, ausschert. (Allerdings nur solange, bis es tunecore für Autoren gibt…)

4. Im AppStore wie im iBookStore wahrscheinlich auch, bestimmt Apple, was online geht und was nicht. “Explicit” Content und “unforeseen” Content war z.B. davon bisher ausgeschlossen – was Apple also nicht passt, wird auch nicht vertrieben und wahrscheinlich auch nicht erklärt, warum das so ist.

Fazit:  Innovative Preis- und Nutzungsmodelle sucht man im iBookStore erst mal vergebens.

Was müsste also passieren? Ich schätze, der Druck durch Piraterie wird sich durch den iBookStore und das damit bedingte neue Preisgefüge bei Amazon stark erhöhen. Schon jetzt sind die meisten Piraten-eBooks Manuskripte aus den Verlagen oder eingescannte Bücher – da hilft dann auch das DRM bei Apple nichts.

Und: Lt. Umfragen sind die Leute bereit, 70% des Buchpreises für ein eBook zu zahlen, mehr nicht. Ich hoffe, sie tun das nun auch und zeigen den Verlagen, dass man Preise nicht künstlich hochhalten sollte.

Hier noch ein schöner Blogpost darüber, dass die Verlage nicht die gleichen Fehler machen wollten, wie die Musikindustrie – und es trotzdem tun.

UPDATE: Nichts ist so alt, wie die Artikel von gestern – gerade lese ich diesen wunderbaren Artikel über das Google Tablet auf lesen.net – Hoffen wir, dass es so kommt, wie es da steht.

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Gerade legt sich ein bißchen der Sturm um das neue Apple ipad – die besten Analysen, was das für Amazon, die Verlage und den Leser bedeuten kann, habe ich für mich bei lesen.net und teleread gefunden – da wird die Sicht wieder klarer für das hier und jetzt:

Klar ist,  dass spätestens mit dem ipad und der Kooperation von Apple mit fünf großen Buchverlagen, die Stunde der enhanced ebooks schlägt.

Gemeint sind Bücher, die nicht nur 1:1 Versionen ihrer gedruckten Vorbilder sind, sondern die Möglichkeiten des neuen Mediums “umarmen”, also nicht nur alibi-mäßig ein paar Links ins Netz vorweisen können, wie hier in diesem netten Artikel über Penguin beschrieben.  So will z.B. HarperCollins für das ipad schon eBooks mit Social Networking Funktionen und Videos in petto haben.

Das war mobil bisher nur auf dem vergleichsweise winzigen Display des iphones bzw. ipod touch möglich. Und auch wenn es im Kindle Store auch bald Apps geben wird – an die Möglichkeiten, die ein App-Entwickler für iphone bzw. ipad hat, kommt der Kindle einfach nicht ran:  So haben ipad und iphone z.B. touchscreen, Audio- und Video-Funktion und Bewegungssensor, das iphone darüber hinaus noch GPS und Kamera.

Bisher gab es die Möglichkeit von enhanced ebooks also durchaus schon – eben als iphone App. Auf dem ipad wird dann (hoffentlich) noch alles schöner, größer und v.a. multimedialer.

Die deutschen Verlage lassen sich aber noch ziemlich lumpen, was die Multimedialität ihrer eBooks bzw. eBook-Apps angeht:

So hat Random House beispielsweise nur reine 1:1 eBook-Apps im Programm, ebenso wie S. Fischer, Lübbe oder Carlsen. Insgesamt sind 96% der Apps deutscher Buchverlage nicht interaktiv.

Ein wenig intensiver auseinandergesetzt mit dem Thema “Was kann dieses iphone eigentlich” haben sich z.B. PONS mit den audiounterstützten Sprachführern, die auch ein paar Quizzes enthalten,  Cornelsen mit einem Sprachlernkrimi, in dem man zum Hörbuch umschalten und interaktive Tests durchführen kann, oder Droemer Knaur mit einer Kochrezepte-App, die immerhin GPS nutzt und den Nutzer Lieblingslisten erstellen lässt.

Kein deutscher Verlag aber nutzt den Bewegungssensor, auch Videos habe ich keine gesehen.

Fazit: Es wird noch überhaupt nicht für das neue Medium produziert, sondern nur alter Wein in neuen Schläuchen serviert. Ich bin gespannt, ob sich das mit dem iBook Store in Deutschland ändern wird.

P.S.: Was international zum Thema “enhanced ebook” geboten wird, recherchiere ich gerade …

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Ich habe es natürlich auch gerade verfolgt  und finde das iPad ganz schön groß. So wie Steve Jobs es hält, sieht es wie DIN A 4 aus ….

Das Ding kann man ja mit einer Hand gar nicht halten – ergo auch schlecht mitnehmen. Das wird wohl eher was für zuhause. Aber haben will ich es trotzdem ;) .

Alle Apps laufen auf dem iPad – also sind 23% aller deutschen Verlage schon heute iPad fähig :) . Und die Entwicklerumgebung ist jetzt auch frei, lt. Spiegel, also kann das Entwickeln munter weiter gehen.

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Am Freitag brachte die N.Y. Times die Meldung, dass mehr als die Hälfte aller eBooks auf der Kindle-Bestseller-Liste kostenlos verfügbar sind.

Warum? So bekommen auch unbekanntere Titel und Autoren die Chance, durch die Präsenz auf der Bestseller-Liste mehr Aufmerksamkeit durch Leser zu erhalten, so die Verlage. (Was sich beim zweiten Buch dann auszahlt, oder auch nach der kostenlos-Aktion.)

Und es funktioniert ja auch: Die Leute richten sich in der Flut an Neuveröffentlichungen natürlich an solchen Leuchtfeuern wie der N.Y. Times Liste, der Spiegel-Bestsellerliste o.Ä. aus. Bestseller-Listen beeinflussen die Kaufentscheidung immens – weil besonders Medien wegen ihrer Eigenschaft als Erfahrungsgüter sich anderen Faktoren, wie der Prüfung vor dem Kauf entziehen.

Und sowohl in den USA als auch in D machen Verlage die Erfahrung, dass weniger Bücher “funktionieren”, also positive Deckungsbeiträge erwirtschaften. – Diese dann aber umso besser, mit Sicherheit auch durch den Bestsellerlisten-Effekt. Die Hyper-Bestseller reißen dann die vielen, vielen Verlustgeschäfte wieder heraus. Und diese Hyper-Bücher werden auf die Bestsellerlisten gehypt – teilweise, weil sie einfach verschenkt werden.

Konsumenten müssten also die Bestseller-Listen kritisch betrachten und hinterfragen, wie diese Ergebnisse zustande kommen. Denn “Best-Seller” sind solche verschenkten eBooks natürlich nicht. Und Bestseller-Listen entstehen aber auch durch wirkliche Käufe und Weiterempfehlungen – die dann nicht mehr von den “falschen” Bestsellern zu unterscheiden sind.

Torpedieren Verlage damit also ein wichtiges Marketinginstrument?

Man könnte darüber nachdenken, verschenkte Exemplare nicht in die Verkaufslisten aufzunehmen – wie es z.B. auch bei Zeitungsauflagen gemacht wird.  Bis dem ersten einfällt, dass man sich ja auch in Verkaufslisten einfach einkaufen kann…

P.S.: Gibt es bei Buchauflagen eigentlich eine “Kommission” wie die IVW?

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Wie schon geschrieben sind 23% der 100 größten Buchverlage mit eigenen Apps vertreten.
Wer ist dabei? Wie viele Apps sind es? Alles hier:

  1. Walhalla Fachverlage, Regensburg: 92 Apps
  2. Random House, München: 76 Apps
  3. Mair Dumont, Ostfildern: 60 Apps (32 Falk, 28 Marco Polo Reiseführer)
  4. Kiepenheuer & Witsch, Köln: 29 Apps
  5. Cornelsen Verlagsgruppe, Berlin: 28 Apps
  6. Klett-Gruppe, Stuttgart: 21 Apps (PONS)
  7. Verlagsgruppe Droemer Knaur, München: 20 Apps
  8. Hoffmann & Campe, Hamburg: 19 Apps
  9. Langenscheidt, München: 12 Apps
  10. Herder, Freiburg: 9 Apps
  11. Carlsen, Hamburg: 8 Apps
  12. Graefe & Unzer, München: 6 Apps
  13. Egmont Holding, Berlin: 2 Apps
    Rentrop Verlagsgruppe, Bonn: 2 Apps
  14. Wolters Kluwer, Köln: 1 App
    S. Fischer, Köln: 1 App
    Verlagsgruppe Lübbe: 1 App
    Ullstein Buchverlage, Berlin: 1 App
    de Gruyter, Berlin : 1 App
    ADAC Verlag, München: 1 App
    Hörverlag, München: 1 App
    Eichborn, Frankfurt/M.: 1 App

Eine Anmerkung noch: Unter den 100 größten Buchverlagen findet man ihn zwar nicht, aber der blue panther Books Verlag spielt mit 84 Apps zumindest im AppStore in der ersten Liga.

So, an der Frage “Und was für Apps stehen da im Store?” arbeite ich noch….

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Heute nachmittag ging die Meldung über den Ticker: Amazon.com will seine Royalties für Autoren (und Verlage), die über die Digital Text Platform von Amazon publizieren dramatisch aufstocken. 70% vom Nettoumsatz soll der Autor erhalten.

Verglichen mit den 20-25% vom Nettoverlagsumsatzes die ein Autor von jedem verkauften eBook von einem traditionellen Verlag sieht, ist das natürlich gigantisch.

TBIResearch malt daher den Teufel (aus Sicht der Verleger, versteht sich ;) ) an die Wand: Der Trend, das Autoren ihre Rechte direkt an Amazon (oder andere eBook-Plattformen) vergeben, werde sich deutlich beschleunigen.

Schon jetzt haben Autoren wie Paulo Coelho und Steven R. Covey vorgemacht, wie es in Zukunft laufen kann.

Alle Autoren – das gibt auch Smashwords CEO Mark Coker zu – die bei Amazon direkt veröffentlichen sind jedoch große Namen, durchgesetzte Autoren.
Und genau deswegen lohnt es sich für Autoren nicht unbedingt, amazon DTP den Vorzug zu geben:

3 Gründe, warum neue Autoren sich auf Amazon DTP nicht durchsetzen werden:

1. Manuskripte sind keine eBooks – Verlage stecken Zeit und Geld in Manuskripte, damit diese stringente, gute Bücher werden.

2. Amazon ist ein Händler. Ein sehr guter Internet-Retailer, aber eben auch nicht mehr. Wie man einen Autor durchsetzt und Marketing für einen Einzeltitel macht – das ist nicht Amazons Ding. Oder hat jemand Cayla Kluver aus Amazons Encore Programm auf einer Bestseller-Liste gesehen? Momentan hat sie Rang 73.068

3. Neben der Arbeit am Text, der “Begleitung” durch einen Lektor, der Entwicklung eines Autoren (im Idealfall) und der Vermarktung leistet ein Verlag noch etwas ganz Existenzielles für den Autor: einen Vorschuss. Oder zahlt Amazon irgendjemandem 10.000 $ Garantiesumme? Und ohne finanzielle Unterstützung tun sich gerade unbekannte Autoren irrsinnig schwer, überhaupt bis zum Ende ihres ersten Werkes durchzuhalten.

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Immer mehr Verlage publizieren ihre Inhalte auch im App Store – für die Zeitschriftenbranche wurde sogar schon das iphone (bzw. den ipod touch) als der Heilsbringer ausgerufen. Endlich zahlen die Kunden für (digitale) Inhalte!

Mich hat interessiert, wie viele Buchverlage denn eigentlich auf diesem Segment aktiv sind und wie der „Markt“ der Buchapps aussieht – und dazu bisher nichts im Netz gefunden.

Daher hab ich mich selbst hingesetzt und ab heute gibt es hier in loser Reihenfolge:

App Store und Buchwelt – Zahlen, Fakten, Trends

Und schon geht’s los:

Von den 100 größten Verlagen (Ranking: Siehe Buchreport)
haben derzeit 23% Apps im App Store verfügbar. Von den größten 10 Verlagen bzw. Verlagsgruppen sind sogar 60% im AppStore vertreten.

Der fleißigste Verlag dabei ist aber ein kleinerer: Rund 90 Apps zum Thema Wirtschaft und Recht bietet der Walhalla Fachverlag aus Regensburg an. Der zweite Platz geht an Random House (76 Apps).

Der Durchschnittspreis der Apps deutscher Buchverlage liegt bei erstaunlich hohen 9,05 € – hoch v.a. im Vergleich zum Gesamtdurchschnittspreis aller Apps, der bei 2,70 $ liegen soll (nur paid apps).

Zu den Genres (und auch zu den Preisen und Inhalten) möchte ich noch eine genauere Analyse machen, nur soviel vorab:

Von den Verlagen, die ihre Inhalte aufs iphone bringen, haben

39% Belletristik-
13% Reise(führer)-
13% Ratgeber-
8,6% Sprachliteratur (Wörterbücher, Sprachlernbücher)-
4,3% Karten-
4,3% Recht/Wirtschaft-

Apps in den Store eingestellt.

Soweit für heute – es kommt bald mehr :)

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Selfpublishing wird eines DER Themen in 2010 für die Verlagsbranche sein.

Selfpublishing is the new blogging – prophezeite Zeldman schon 2008

Deswegen gibt es auf if-blog.eu ab heute in loser Reihenfolge ein was-bisher-geschah, die neuesten Updates zum Thema Selfpublishing sowie hin und wieder Analysen zum Thema.

Eine gute – wenn auch natürlich nicht vollständige Übersicht, es fehlen z.B. Scribd, quillp.de – über alle Selfpublishing Plattformen gibt es übrigens hier beim Schreiber-Mag.

Meine erste Ausführung heute geht über den US-amerikanischen-Selfpublishing-Markt, anlässlich der Meldung, dass Lulu.com beim IPO mit 50 Mio. $ bewertet wurde. Das allein zeigt schon, in welchen Dimensionen wir uns befinden und dass Verlage sich zunehmend für dieses Phänomen interessieren (müssen).

Die zwei Platzhirsche in den USA sind Lulu.com und scribd.com – obwohl smashwords, das von Sony gekauft wurde und webook.de, blurb, fastpencil.com auch eine Rolle spielen (wollen).

Scribd – die größte Social Publishing Plattform in den USA.

Gestartet 2007 als reine Selfpublishing-Plattform, ist Scribd heute eine Plattform, auf der neben unlektorierten Werken auch professonielle eBooks von bekannten Autoren (und Verlagen) vertrieben werden.
Scribd verzeichnet 2009 rund 60 Mio. Nutzer pro Monat (!) und ist damit lt. Alexa auf Rang 308 aller amerikanischen Websites – das bedeutet auch, dass Scribd ca. doppelt so viele Nutzer wie Barnes & Noble.com verzeichnet. Irre, oder?

Scribd konnte deswegen allein schon wegen der Masse an Nutzern, die täglich auf die Website kommen mittlerweile mehrere Verlage davon überzeugen, ihre eBooks über die Plattform zu vertreiben. So sind z.B. R. Wiley, Simon & Schuster und Lonely Planet schon dazu übergegangen, ihre eBooks auf scribd.com anzubieten. Auch deswegen, weil auch scribd (wie schon myspace, youtube etc. vor ihnen) mit Piraterie und illegalen Uploads zu kämpfen hatte.

Den größten Wirbel erzeugen aber Autoren, die trotz Erfolg und Bestsellerlisten-Platzierungen mit ihren Büchern bei renommierten Verlagen eben diesen den Rücken kehren und exklusiv bei Scribd veröffentlichen.

So geschehen bei Kemble Scott, dessen erstes Buch bei Random House/Doubleday erschien und bis auf die vorderen Plätze der Bestsellerliste des San Francisco Chronicle gelangte. Dem Autor waren die 20-25% Marge beim eBook einfach zu wenig. Und er rechnet vor: Selbst wenn er bei Scribd.com für sein eBook nur 2 $ verlangt, erhält er noch mehr Tantiemen als bei einem verkauften Exemplar des Buches von Doubleday.

Daher veröffentlichte er sein zweites Buch „The Sower“ exklusiv als eBook bei Scribd. So profitieren Leser und Autor, nur der Verlag schaut in die Röhre…

Weiter geht es morgen mit Lulu.com und die nächsten Wochen mit

China (qidian.com)
Italien (editorebruni.it)
Und (wenn ich es bald mal schaffe, meine jap. Freundin auszufragen) Japan

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Der Leser Gerätehersteller entscheidet!

Prognosen zu wagen, auch wenn man sie offiziell nicht so benennt, das ist immer ein schwieriges Geschäft.
Trotzdem haben sich Consultant Dr. Andreas Meyer und Arnd Roszinsky-Terjung im Buchmarkt getraut, einen Blick in die Zukunft der Buchbranche zu werfen.

Die These der beiden Herren – der Leser wird entscheiden, was sich durchsetzt.

Meine provokante These: Die Gerätehersteller werden entscheiden, was sich durchsetzt:
Wenn Apple z.B. tatsächlich demnächst das islate vorstellt, werden alle die Leute in die Geschäfte rennen, um sich das Ding zu kaufen.

Und wahrscheinlich haben wir alle beide Recht.
In jedem Fall können die Verlage nur reagieren – sie setzen hier keine Trends. Die Innovation wird ihnen quasi von außen aufgezwungen werden – anders z.B. als frühere Innovationen wie das Taschenbuch.
Ob sie es dann schnellstmöglich schaffen, ihre Bücher (oder sollte ich schreiben: ihren Content) den neuen Lesegewohnheiten bzw. Gerätevorgaben anzupassen oder ob die Autoren das in Zukunft selbst tun werden, ist die Frage.

Interessant jedoch ist, dass kaum ein Buchverlag Marktforschung betreibt…
Zumindest hat keiner der (mir bekannten) Buchverlage eine MaFo Abteilung – korrigiert mich gerne, wenn es anders ist.

Ganz anders als bei Zeitschriftenverlagen, die über die Jahrzehnte wahrscheinlich mehr Daten als der BND gesammelt und ausgewertet haben (vgl. Typologie der Wünsche, MNT, Sinus-Milieu-Studien, Kommunikationsanalyse etc.), funktioniert die Buchbranche scheinbar nur über das „Gespür“ der Lektoren, Vertriebler und Marketingfachleuten.

Ob und wie in den nächsten Jahren gelesen wird, dass bleibt demnach komplett im Dunkeln. Welche Geräte sich durchsetzen werden, ob eine veritable Zahl an Lesern auf ihren Mobilgeräten lesen werden (oder auch schon lesen) – weiß niemand im Buchverlag. Wie viel % der Deutschen besitzen einen eReader? – Auch keiner?

Findet das außer mir noch jemand komisch?

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