= eBooks, Bücher, Literatur und mehr

Nischen und Marken

Auf dem BuchSW von lovelybooks konnte ich endlich mal mit vielen “onlinern” anderer Verlage sprechen und habe viele Anregungen für meine Arbeit, aber auch für dieses Blog bekommen.

Einen Gedanken von Leander Wattig möchte ich gern weiterführen, den er hier nochmal extra herausgegriffen hat (die Folie stammt aus seinem Vortrag auf dem BuchSW):

Seine These:  “Die Zukunft liegt in der Nische – auch im Buchbereich”

Ich gebe Leander absolut recht, was die Verlagsbranche angeht (weniger jedoch, was den Handel angeht :) ).


Nische bedeutet ja immer auch Spezialisierung und Profilierung. Und genau damit tun sich viele Verlage sehr schwer.  Der Hauptgrund dürfte sein, dass Spezialisierung auch immer ein (scheinbar) höheres Risiko bedeutet – wenn die eigene Nische plötzlich nicht mehr (wirtschaftlich) interessant ist, steht man vor dem nichts.  (Andererseits dürften in Nischen auch Skaleneffekte verstärkt auftreten!)

Endkundenmarken sind online extrem wichtig

Verlage als Gatekeeper, Filter und “Hüter der Qualität” haben aber genau die Aufgabe, Content eine “Marke” aufzudrücken, die für eine bestimmte Qualität steht und einen Selektionsprozess, den dieser Content durchlaufen hat.

Vor allem im Internet, wo selbstpublizierte Werke neben Verlags-Büchern/Content stehen, wird es immer wichtiger, dass der Endkunde (!) anhand des Labels bzw. der Verlagsmarke erkennen kann, dass es sich um ein Qualitätsprodukt handelt.

Online entfällt der 2. Gatekeeper “Handel”:

Im stationären Handel sind die Bücher allein durch Vertriebs- und Marketingprozesse schon einer strengen Auswahl unterzogen, der Handel wirkt auch wie ein 2ter Gatekeeper – Online sieht das anders aus:

Jeder Depp kann xyz Verlag auf sein Cover schreiben, dass der Verlag auch für etwas stehen muss, wird hier sehr deutlich. Und jeder kann seine eBooks online – z.B. auch bei Amazon, via dtp – verkaufen. Insbesondere durch das eBook wird dieser Trend noch verstärkt.

Auch Autorenmarken werden wichtiger

Natürlich werden auch die Autorenmarken im Netz wichtiger.  Das funktioniert aber v.a. für Bestseller-Autoren bzw. Autoren, die schon Bücher veröffentlicht haben. Für all die Bücher, deren Autoren jedoch (noch) unbekannt sind, ist eine Verlagsmarke daher extrem wichtig.

Können Verlage Marken sein?

Auf dem BuchSW hatte ich aber auch die eine oder andere Diskussion über die Markenbildung von Verlagen. Gern getroffene Aussagen waren, dass

1. Verlage eh keine Marken sind

2. Verlage nicht die Budgets haben, sich als Marken zu positionieren

u.a. wurde deshalb auch Markenbildung via Social Web abgelehnt…

Zu 1. Es stimmt, dass die meisten Buchkäufer ihre Lektüre nicht nach dem Verlag aussuchen.

(Beileibe aber nicht alle. Es gibt durchaus Leute, die Bücher nur nach dem Verlag kaufen. Ich gehöre dazu ;) )

Die Frage ist, warum sie das nicht tun. Ein Grund ist mit Sicherheit die “Selektion”, die auch der stationäre Handel betreiben muss, denn auch dieser funktioniert als Gatekeeper (vgl. oben).

Meine Meinung ist aber auch, dass viele Verlage gar nicht versuchen, eine Marke zu bilden, sondern stattdessen auf die Autoren als ihre Marken vertrauen – dass diese aber schnell zu anderen Verlagen abwandern können, wird dabei außer Acht gelassen. Von den wenigsten Verlagen (er-)kenne ich z.B. Imagekampagnen für Endkunden. Bei einigen Verlagen (z.B. Diogenes, GU) und v.a.  kleinen Verlagen (Verbrecher Verlag, Blumenbar etc.) funktioniert es aber.

Zu 2. Natürlich werden die meisten Verlage nie einen Bekanntheitsgrad von über 90% erreichen, wie in D vielleicht einige Auto- oder Getränkemarken. Dazu fehlt natürlich das Budget. Das ist aber auch nicht die Notwendigkeit – nur in der Nische (und hier wären wir wieder beim Ausgangspunkt :) ) müssen die Verlage sich positionieren und ihre Marke pflegen.

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1 Kommentar

  1. 11. Januar 2013    

    Sich an eine Agentur zu wenden, bzw. ein von einer Agentur eingehendes Angebot wohlwollend zu prüfen, ist ein guter Tipp in diesem Zusammenhang. Ich habe mal sagen hören, dass die meisten Manuskripte daran scheitern, dass sie nicht gelesen werden. Klar: Wenn man 15 Wälzer pro Tag auf dem Tisch hat, liest man nicht alle, blättert nicht mal alle durch. Nur was schon auf den ersten Blick interessant zu sein scheint, wird eines zweiten Blickes gewürdigt. Ein interessantes aber nicht überkandideltes Anschreiben, ein aussagefähiges und zugleich spannendes Exposee und die „perfekt“ gewählte und sorgfältigst überarbeitete Leseprobe sind also extrem wichtig (und eine gute Agentur müsste dabei helfen können). Wenn man das – und nur das – schickt, spart man nicht nur Porto, man signalisert auch: Lieber Verleger, ich weiß, du hast viel Arbeit und ich achte dies – mit mir ist also gut zusammenzuarbeiten. Tipp: Wie Exposee und Leseproben aussehen können (oder eventuell auch nicht aussehen sollten – testet es an euch selbst!) seht ihr z.B. in http://www.romansuche.de.

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